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EM in der Gruppe — Erfahrungsbericht

484 Wörter·3 min

Ich sitze seit mehr als zwei Jahren, fast jede Woche, in einer Gruppe. Was dort passiert, ist schwer zu beschreiben — nicht weil es mystisch wäre, sondern weil es so schlicht ist.

Menschen sitzen zusammen. Jeder teilt mit, was gerade in ihm vorgeht. Nicht als Bericht, nicht als Analyse — als direktes, momentanes Erleben. “Ich bemerke Enge in der Brust.” “Ich merke, wie sich etwas entspannt.” “Ich merke gerade nichts, und das ist seltsam.”

Das ist Ehrliches Mitteilen. Und das klingt einfacher als es ist.

Was in einer EM-Gruppe passiert
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Eine Gruppe nach dem Prinzip des Ehrlichen Mitteilens hat kein Thema und keinen Inhalt, der vorher festgelegt wird. Es gibt keinen Vortrag, keine Aufgaben, keine Hausaufgaben. Es gibt nur den Raum — und die Bereitschaft aller, wahrhaftig in diesem Raum zu sein.

Wer dran ist, teilt mit. Direkt, in Ich-Sätzen, über das, was gerade da ist. Nicht über vergangene Erlebnisse, nicht über andere Menschen, nicht über Konzepte. Sondern: Was ist jetzt, in diesem Moment, in mir?

Die anderen hören zu. Ohne Ratschläge, ohne Kommentare, ohne “das kenne ich auch.” Nur Präsenz.

Das klingt bescheiden. Die Wirkung ist es nicht.

Was ich persönlich gelernt habe
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Ich bin als Kopfmensch in diese Gruppe gegangen. Mit dem Ziel, Ehrliches Mitteilen zu “lernen” — also zu verstehen, wie es funktioniert, es kompetent anzuwenden.

Das hat nicht funktioniert. Nicht weil die Methode schlecht wäre, sondern weil Verstehen-Wollen die falsche Haltung ist. Was passiert ist stattdessen: Ich habe gelernt, langsamer zu werden. Ich habe gelernt, kurz innezuhalten und zu fragen, was da wirklich ist — bevor der Kopf es wegerklärt.

Das war oft unbequem. Manchmal war das, was auftauchte, etwas, was ich lieber nicht gewusst hätte. Manchmal war es überraschend — Gefühle, mit denen ich nicht gerechnet hatte, die plötzlich da waren, weil ich zum ersten Mal wirklich hingeschaut hatte.

Und ich habe erlebt, was Co-Regulation bedeutet. Wenn Menschen wirklich präsent füreinander sind — nicht als Aufgabe, sondern als gelebte Haltung — passiert im Nervensystem etwas, das Reden allein nicht erzeugen kann. Es ist nicht dramatisch. Es ist ruhig. Und es bleibt.

Was eine EM-Gruppe nicht ist
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Ehrliches Mitteilen in der Gruppe ist kein Therapieersatz. Menschen in akuten Krisen, mit schweren Traumata oder psychiatrischen Erkrankungen brauchen professionelle Unterstützung — nicht eine Gruppe von Peers.

Und: Es ist keine Selbsthilfegruppe im klassischen Sinn. Es geht nicht darum, Probleme zu teilen und Lösungen zu finden. Es geht darum, in echten Kontakt zu kommen — mit sich und mit anderen. Das ist ein Wert an sich, kein Mittel zum Zweck.

Wenn du dich fragst, ob eine EM-Gruppe etwas für dich ist: Die einzige Möglichkeit, das zu beantworten, ist hinzugehen. Zuhören, wie es sich anfühlt, in diesem Raum zu sitzen. Einmal mitteilen, was da ist — auch wenn es unvollständig oder unbeholfen klingt.

Die Gruppe, die ich begleite, trifft sich wöchentlich in Dresden. Mehr dazu findest du unter Ehrliches Mitteilen Gruppe.