Was erwartet mich in einem Workshop zur Emotionsarbeit? Das ist die häufigste Frage vor dem ersten Mal. Und eine berechtigte — denn das Wort “Emotionsarbeit” kann vieles bedeuten: Tränenrunden im Stuhlkreis, Intensivübungen, Gruppentherapie, irgendetwas zwischen Yoga und Psychodrama.
Hier ist die konkrete Antwort.
Was im Workshop passiert#
Ein halbtägiger Embodiment-Workshop — wie ich ihn gestalte — hat eine einfache Grundstruktur:
Ankommen. Ein kurzer Einstieg, der dem Nervensystem erlaubt, aus dem Alltagsmodus herauszukommen. Keine Tiefenmeditation, kein Ritualrahmen. Einfach: kurze Pause, körperliche Orientierung, ankommen im Raum.
Input mit Konzept. Ein kurzer theoretischer Einblick in den Hintergrund — Polyvagal-Theorie, das Nervensystem, warum Körperwahrnehmung wichtig ist. Nicht als Vortrag, sondern als Rahmen, der das Folgende einbettet.
Praktische Übungen. Der Kern. Angeleitete Körperwahrnehmungen, kleine Bewegungsexperimente, Paararbeit oder Gruppenübungen — je nach Kontext. Das Tempo ist langsam. Es geht nicht um Intensität, sondern um Kontakt.
Ehrliches Mitteilen in der Gruppe. Raum für das, was aufgetaucht ist. Nicht als Berichtsrunde, sondern als direktes Mitteilen: Was war da? Was hast du bemerkt?
Abschluss und Integration. Wie kommst du wieder in den Alltag — mit dem, was du mitgenommen hast?
Das klingt geordnet. In der Praxis ist es fließender. Nicht alles geht nach Plan. Manchmal passiert etwas Unerwartetes. Das ist in Ordnung — und gehört dazu.
Was du mitbringst#
Keine Vorkenntnisse. Kein spirituelles Interesse erforderlich. Keine besondere Körperlichkeit, keine Meditations- oder Yogaerfahrung.
Was hilfreich ist: eine gewisse Bereitschaft, langsamer zu werden. Und die Bereitschaft, kurz nachzuschauen — was passiert gerade in mir? — ohne sofort eine Antwort haben zu müssen.
Kopfmenschen sind herzlich willkommen. Besonders Kopfmenschen. Die meisten Menschen, die zu meinen Workshops kommen, haben einen starken analytischen Hintergrund. Das ist kein Hindernis. Es ist oft die Basis für die interessantesten Momente im Workshop.
Typische Momente, die viele kennen#
Es gibt einen Moment, den ich in fast jedem Workshop erlebe: Jemand macht eine Übung — meist eine kleine Körperwahrnehmungsübung — und stoppt plötzlich. Nicht weil etwas Schlimmes passiert ist, sondern weil etwas Überraschendes passiert ist. Eine Empfindung, die sie nicht erwartet haben. Ein Gefühl, das plötzlich da ist.
Meistens sagen sie danach: “Ich wusste gar nicht, dass das da ist.”
Das ist Embodiment in Aktion. Nicht dramatisch. Nicht therapeutisch. Nur: ein Moment von echtem Kontakt.
Es gibt auch den Moment, wo jemand in einer Gruppenübung merkt, dass echter Kontakt mit einem anderen Menschen anders ist als gutes Gespräch. Wenn jemand wirklich präsent ist — nicht nur anwesend, sondern da — verändert sich etwas im Nervensystem. Das geht schnell. Und es bleibt.
Für wen der Workshop nicht geeignet ist#
Menschen in akuter Krise, mit aktiven Traumata, die derzeit nicht stabil sind — sollten zuerst therapeutische Unterstützung suchen. Ein halbtägiger Workshop ist kein Therapieformat.
Und wer erwartet, in einem Nachmittag fundamentale Veränderungen zu erleben: Ich verspreche das nicht. Was ich verspreche: einen Einstieg. Einen Moment, in dem du vielleicht zum ersten Mal anders mit deinem Körper in Kontakt bist. Das ist genug.
Mehr Informationen zum nächsten Workshop in Dresden findest du hier: Workshop: Vom Kopf in den Körper.